Die Welt hat kein Gesicht von greifbarer Gestalt.
Vor einem Kind malt sie sich stolz und wie ein Held,
Vor einem Greise ohne Durst, wie tausendj├Ąhrig Holz so alt,
Den Dummen qu├Ąlt die Welt stets kopfgestellt.
Dem K├╝hlen und dem Stummen ist sie kalt versteint,
Die Schwachen f├╝hlen sie als Tr├Ąnensack, der greint.
Dem Trotzigen ist sie voll M├╝hlen, gegen die er ficht,
Dem G├╝tigen stets wohlgemeint voll Schwergewicht,
Dem Richter ist sie ewiges Weltgericht.
Ein unwirklich und tief Gedicht ist sie dem Dichter,
Verliebten lieblos oder voller Liebe;
Der Welt Gesicht sind aller Welt Gesichter.

Max Dauthendey . 1867 – 1918