Es irrt der Mensch, solang’ er strebt. – Johann Wolfgang von Goethe

Das sind die Worte, die mir spontan einfallen, wenn ich in Kraftshof bei N√ľrnberg das “Irrhain” besuche. Ich hatte diese Fototour schon lange geplant und unser fotografisches Motto war wieder einmal “Schwarzwei√ü”. Und wo k√∂nnte man sich mehr irren als bei der Umsetzung eines digitalen (Farb-)Bildes nach Schwarzwei√ü. Was ist denn das Wesentliche bei diesem Prozess der Umwandlung von Farbe nach schwarzwei√ü? Die Suchmaschinen zu fragen ist hier keine Hilfe. Zu banal sind die Antworten und zudem meist rein technischer Natur. Klar kann ich die S√§ttigung reduzieren und habe dann ein Bild ohne Farbe, aber sicher noch kein “Schwarzwei√übild”.

Technisch betrachtet ist der Prozess ja genau umgekehrt. Ein digitaler Sensor kann n√§mlich nur Helligkeiten wahrnehmen und w√ľrde damit in diesem Zustand ein wirklich realistisches Bild in Schwarzwei√ü liefern, bei dem die Helligkeiten genau so sind wie wir sie in der farbigen Natur sehen. Aber mit unserer modernen Technik verpassen wir dem Sensor ein “Color Filter Array (CFA)” und bekommen damit erst mal ein farbiges Bild geliefert. Das ist wie fr√ľher der Farbfilm mit den drei Farbschichten, die aus dem urspr√ľnglichen Schwarzwei√üfilm einen Farbfilm gemacht haben. So ist es heute wieder, man macht aus einem digitalen Sensor der nur Helligkeiten wahrnehmen kann, einen Farbsensor. Man f√ľgt dem urspr√ľnglichen Schwarzwei√übild also die Farbe hinzu – und wir machen diesen Schritt nun wieder r√ľckg√§ngig (ist schon merkw√ľrdig, oder?).

Aber bleiben wir beim heutigen Sensor. Ohne CFA zeichnet dieser nur Helligkeiten auf. Unser erstes Ziel bei der Umwandlung von Farbe nach Schwarzwei√ü sollte also sein, genau diese Helligkeiten des Farbbildes im Schwarzwei√übild wiederzubekommen. Aber leider sind unsere heute verf√ľgbaren Programme wie Lightroom und Photoshop (und auch die vielen anderen) nicht in der Lage, uns ein solches Ergebnis als “Standardeinstellung” f√ľr die SW-Umwandlung zu liefern. Stattdessen bekommen wir eine Vielzahl von Regler Einstellungen und Presets geliefert, die alle m√∂glichen “Filterkonstellationen” aus der analogen Zeit beschw√∂ren, aber leider keine echte helligkeitsgetreue Umsetzung.

Ich habe mir eine solche Einstellung sowohl f√ľr Photoshop als auch f√ľr Lightroom geschaffen und starte damit meine Umsetzung nach Schwarzwei√ü. Ab hier beginnt nun der kreative Teil der Arbeit zur Herstellung eines Schwarzwei√übildes entsprechend meiner eigenen Vorstellungen. Ist schon der erste Schritt mit der helligkeitsneutralen Umwandlung ein Schritt weg von der realen (farbigen) Situation der Szene, so geht es von nun an noch weiter weg auf diesem Weg, hin zu einem Schwarzwei√übild entsprechend meiner eigenen Vorstellungen.

Nach der Bearbeitung zeigen die Bilder nun v√∂llig andere Helligkeiten, als die, die urspr√ľnglich im Farbbild, oder genauer gesagt “in der Natur” vorhanden waren. Das muss auch nicht sein, denn ich kann hier und heute in der modernen Dunkelkammer mit unseren Bearbeitungsprogrammen jede gew√ľnschte Helligkeit, die mir f√ľr das Bild wichtig ist, erzeugen. Das Licht regiert weiter in jedem Bild, nun aber entsprechend meiner eigenen Vorstellungen.

Die Bilder hier habe ich in Lightroom f√ľr die Umwandlung nach SW vorbereitet und dann in Photoshop umgewandelt und nach meinen Vorstellungen bearbeitet. Den Weg der Umwandlung und Nachbearbeitung habe ich in meinen aktuellen Kurs “Praxis schwarzwei√ü Fotografie” beschrieben.