├ťber unsere Fototour zum Johannisfriedhof in N├╝rnberg hatte ich ja bereits einen Blogbeitrag geschrieben. Dort habe ich bereits einige farbige Bilder in die Galerie gestellt.

Aber die meisten Bilder von dieser Tour hatte ich l├Ąngst als schwarzwei├č-Bilder bereits w├Ąhrend der Aufnahme im Kopf. Wie geht das? Ich brauche hierzu keine Hilfsmittel mehr (z. B. die Kamera auf SW einzustellen, wie es h├Ąufig empfohlen wird), denn in meiner bisherigen fotografischen Entwicklung habe ich viele Jahre nur in Schwarz und Wei├č fotografiert. Und im Grunde genommen ist die Vorstellung davon sehr einfach zu realisieren, denn fotografieren in schwarzwei├č bedeutet,┬á Helligkeiten und Kontraste zu fotografieren. Und das war an diesem Tag eine ziemlich einfache Sache, denn die Sonne beleuchtete die Gr├Ąber auf dem Johannisfriedhof auf die wunderbarste Art und Weise.

Bereits nach wenigen Aufnahmen habe ich die kleinen wei├čen Engelsfiguren f├╝r mich entdeckt. Bei denen waren die Helligkeiten und die Kontraste extrem ausgepr├Ągt. Aber f├╝r mich und meine Art zu fotografieren war dies genau die richtige Herausforderung. Konnte ich doch die korrekte Belichtung sofort nach der Aufnahme auf dem Windows Tablet Surface Go direkt mit dem RawDigger kontrollieren. Ziel war maximale Belichtung nach rechts, ohne in den Clipping Bereich zu kommen. Das garantiert die maximalen Tonwerte in den hellsten Stellen, ohne Pixel zu verlieren.

Diese Art der k├╝nstlerischen Fotografie in Schwarzwei├č ist inzwischen mein Weg und mein Ziel, um Bilder zu schaffen, die die Grenzen des Tonwertumfanges maximal ausreizen. Wenn ich heute zur├╝ckblicke auf die Zeit, als ich analog mit der Gro├čformatkamera auf schwarzwei├č Film gearbeitet habe, wird mir bewusst, was maximaler Tonwertumfang wirklich bedeutet. Hatte man damals sein Negativ nach dem Zonensystem korrekt belichtet und entwickelt, konnte man im Labor auf Papier normaler Gradation ein nahezu perfektes Ergebnis erhalten. Mit den heutigen M├Âglichkeiten der digitalen Fotografie l├Ąsst sich das wieder erreichen, wenn nicht sogar ├╝bertreffen, da die M├Âglichkeiten bei der Ausarbeitung am Computer ungleich vielf├Ąltiger sind, als damals im Labor, wo es neben abwedeln und nachbelichten kaum M├Âglichkeiten gab, die Tonwerte weiter zu beeinflussen. Ein wenig konnte man noch mit einer Selentonung erreichen. Was unter diesem Stichwort heute aber digital als Presets angeboten wird, ist leider v├Âllig daneben; das kann ich aus meiner Erfahrung hier mal sagen.

Die Ausarbeitung der Bilder erfolgte mit Lightroom und Photoshop.

Viele der Engelsfiguren haben einen Spruch der Erinnerung als Botschaft an den Besucher und an den verstorbenen. Einen m├Âchte ich hier besonders hervorheben:

Es gibt erf├╝lltes Leben trotz vieler unerf├╝llter W├╝nsche.
– Dietrich Bonhoeffer

Wenn man wie hier so viele Engelchen fotografiert und sorgf├Ąltig bearbeitet hat, kommt man schon ein wenig ins Gr├╝beln. Schlie├člich sind diese Engelchen nicht irgendwelche Figuren, sondern Botschafter zwischen der Erde und dem Himmel. Selbst ohne Worte dr├╝cken diese Figuren f├╝r mich Botschaften aus, die von den Angeh├Ârigen den verstorbenen liebevoll entgegengebracht werden. Auch wenn l├Ąngst die Farbe abbl├Ąttert und H├Ąnde oder F├╝├če abgebrochen sind, bleiben diese Botschafter des Himmels ein St├╝ck Verbindung zu den zur├╝ckgebliebenen. Ich bin noch im Nachhinein ein wenig ger├╝hrt von dieser Erfahrung, die ich hier machen durfte.